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Lootboxen. Oder auch: Wie alles anfing.

So hat bei mir alles angefangen.
„Harmlose Gegenstände“ in einem Computerspiel führten zur Sucht, die mich täglich begleitet.

Es muss Ende 2013 gewesen sein, als bei mir das Thema Glücksspiel anfing. Man bemerke – ich war keine 18 Jahre alt. Ich war nicht volljährig und habe mich trotzdem in ein System verloren, welches eine erschreckende Ähnlichkeit zu Slotmaschinen und deren Folgen hat.

Meine erste „Droge“ waren sogenanne Loot-Boxen im Videospiel Counter-Strike.

Was sind Loot-Boxen?

Falls jemand nicht weiß, was Loot-Boxen sind, denen möchte ich es kurz erklären.

Eine Loot-Box ist ein Objekt in Videospielen, welches von den Entwicklern stammt und dafür sorgt, dass ein schon existierendes Videospiel aufgewertet und mit neuen, meist exklusiven Inhalten gefüllt wird.

Hierbei lassen sich diese Boxen in zwei Kategorien aufteilen:
1. Loot-Boxen, die direkten Einfluss auf das Spiel nehmen und dem Käufer einen spielerischen Vorteil gegenüber anderen verschaffen, und
2. Loot-Boxen, die rein kosmetische Gegenstände dem Spiel hinzufügen, die selbst keinerlei Vorteile oder Mehrwert bieten, außer dem Auge und anderen Spielern eine gewissen Hochwertigkeit vorgaukeln.

Loot-Boxen in Counter-Strike.

Im Spiel Counter-Strike:Global Offensive finden sich Boxen der zweiten Kategorie. Diese Boxen enthalten sogenannte „Skins“, also plump gesagt, Muster für die Waffen, die man im Spiel verwendet.

Jedes Spiel hat eine eigene Vorangehensweise, wie man diese Boxen erhält und wie diese zu öffnen sind. Häufig sind die Boxen über sehr langes Spielen als „Belohnung“ zu erhalten, können aber auch über „In-Game-Käufe“ erhalten werden.

Im Fall CS:GO ist es so, dass man durch das Spielen selbst die Boxen erhält, welche man aber nur öffnen kann, wenn man einen Schlüssel kauft. Diese Schlüssel haben einen stabilen Wert, welcher zwischen 1.80 und 2.30 liegt/lag (der Preis variiert durch Währungsschwankungen weltweit)

Will man also in CS:GO einen Skin „unboxen“, muss man mindestens die Gebühr für einen Schlüssel entrichten, solange man das „Case“ (= die Loot-Box) schon hat. Sollte man diese nicht besitzen, muss man sie im spieleigenen „Communitymarket“ erwerben. Der Preis für die Kiste liegt zwischen 0.03 und knapp 20€, je nach Seltenheit und Alter der Kiste.

Entscheidet man sich dafür, eine Kiste zu öffnen, ist nicht absehbar, welchen Gegenstand man erhält. D.h. es gibt verschiedene Wertigkeiten, welche die Gegenstände haben können:

  • Blaue Wertigkeit (ca. 79.92%)
  • Lilane Wertigkeit (ca. 15.98%)
  • Pinke Wertigkeit (ca. 3.2%)
  • Rote Wertigkeit (ca. 0.64%)
  • Goldene Wertigkeit (ca. 0.26%)

Wie man sieht, sind dies schon deutliche Unterschiede, was die Wertigkeit angeht. An sich hätte jeder Skin denselben monitären Wert – gäbe es nicht den Communitymarket. Auf selbigen kann jeder seine Skins zu einem Preis verkaufen, welchen die Community durch Angebot und Nachfrage selbst regelt. Natürlich sind dann dort Gegenstände mehr Wert, welche seltener sind (es gibt auch „minderwertigere“ Gegenstände, die teurer sind – das ist nur ein Durchschnitt).

Das Problem liegt nun in den Werten, welche den Gegenständen zugewiesen werden. Der niedrigste Preis liegt bei etwa 0.07€ bis hin zu 3.000-5.000€, die für die „normalen“ virtuellen Gegenstände erzielt werden kann. Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen, nämlich besondere Exemplaren, welche gerne mal einen Wert von über 30.000€ annehmen können. Zahlen, die natürlich auf den ersten Blick sehr verlockend und ansprechend sind.

Hä? Was ist daran gefährlich? Kann nicht jeder mit seinem Geld machen, was er will?

Ja, kann er. Jedoch hat das System ein Riesen-Problem:

Laut Steam TOS ist eine Anmeldung ab 13 Jahren erlaubt. Eine Einschränkung für den Erwerb dieser Gegenstände und Schlüssel gibt es nicht.

Nun kommt vielleicht die Frage auf: Ja und was macht man dann damit?

Die Skins kann man natürlich selbst spielen oder verkaufen, man kann aber auch damit handeln. Dieser Punkt ist besonders wichtig, da durch den monitären Wert, den die Skins durch den Communitymarket erhalten, quasi eine Sekundärwährung entsteht, welche beim Handeln die Grundlage bildet.

Das Handeln an sich ist nicht verwerflich. Es ist im Prinzip kein Unterschied zu den Sammelkarten, mit denen Kinder schon in der Schule tauschen.

Nur der monitäre Wert birgt folgendes Risiko, welches sich findige Geschäftsleute zu nutzen gemacht haben:

Unregulierte Online-Casinos mit CS:GO Skins als Währung.

Und genau dort fing meine Sucht an. Auf dubiosen Internetseiten, die natürlich genau so unkontrolliert waren wie die Gegenstände.

Ich habe dort viel Geld verloren. Beziffern kann ich es nicht mehr.

Der Verlust liegt aber sicher in einem hohen vierstelligen Bereich. Ob es 5.000 oder 9.000 oder 15.000€ sind spielt aber eigentlich keine Rolle. Jeder € ist ein € zu viel.

Seit 2018 ca. sind diese Casinos auch nur noch selten vorhanden, weil sich die Bedingungen für das Handeln verschwierigt haben und jeder gehandelte Skin nach einem Handel eine 7-Tages-Sperre für das Handeln hat. Verschwunden sind sie jedoch nicht und noch immer eine Gefahr!

Das Problem ist: an dem Punkt war ich persönlich schon umgeschwenkt – auf Alternativen mit Echtgeldeinsatz an klassischen Slot-Maschinen. Dazu aber in einem anderen Beitrag.

Die Gefahr von Loot-Boxen

Ich möchte natürlich nicht nur meine Geschichte erzählen, ich bin einer von vielen. Ich möchte auch darauf aufmerksam machen, welche Macht dieses System in den nächsten Jahren bekommen wird und wie groß die Gefahr, die gerade für junge Menschen ausgeht, ist.

Nahezu jedes neue Computer oder auch Smartphone-Spiel erscheint heutzutage mit Loot-Boxen. Häufig sind sogar die Spiele an sich kostenlos, und nur die Boxen liefern dem Entwickler die Einkünfte, welche aber gigantisch sein dürften. Die Hürde, mal ein paar Euro auszugeben ist nunmal doch nicht so hoch, wie einen Vollpreistitel mit 60€ zu bezahlen.

Solltet ihr selbst Spieler sein:

Bitte verliert euch nicht in der Welt der Loot-Boxen. Es ist ein System, welches euch genau wie die Automatensucht in einen Bann zieht. Versucht bitte nicht, damit Geld zu verdienen. Ich habe es ausprobiert – es klappt nicht.

Solltet ihr selbst ein Elternteil o.ä. sein:

Bitte informiert euch, was das Computerspiel, welches euer Kind oder Partner spielt, für Loot-Boxen hat. Sind diese erforderlich? Sind diese kostenpflichtig? Sind diese notwendig? Und bitte, passt auf, dass eine solche Loot-Box keinen Einfluss auf euern Schützling nimmt. Beobachtet euer Kind. Erklärt ihm die Risiken oder was passieren kann. Erläutert den Unnütz, der durch diese Boxen ausgeht. Aber tut mir einen Gefallen. Passt auf.

Und nebenbei: Auch ein Fußballspiel wie FIFA hat ein Loot-System, welches direkten Einfluss auf das Spiel nimmt (quasi Pay-to-Win). Dieses ist super gefährlich und sollte nicht als harmlos abgetan werden!

Das System der Loot-Boxen braucht m.M.n. auch Einschränkungen auf politischer Ebene, sonst haben wir in einigen Jahren ein Problem mit jungen Menschen, die ein problematisches Spielverhalten zeigen – genau wie ich es tue. Entstanden durch ein System, welches Augenscheinlich fern ab von Glücksspiel steht.

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