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Online-Casinos. Eine uneinsehbare Falle.

Kommen wir nun zum Elefant im Raum, zum Zentrum meines Daseins, zur Ursache meiner größten Sorgen und Probleme, zur schwierigsten Angelegenheit in der Familie. Online-Casinos.

Angefangen hat die Abhängigkeit nach Casinos sicher ganz klassisch – nach meinem ersten Besuch in der Spielbank und einem Gewinn von knapp 200€. Das Gefühl, mit wenig „Arbeit“ einen hohen Geldbetrag zu gewinnen, war schillernd. Das Blinken des Automaten, die Geräusche aus dem Lautsprecher, die laute Musik, mit der der Automat meinen Gewinn quittierte, trafen mich direkt ins Herz.

Ich war nie ein Mensch mit vielen Freunden. Ich war häufig unglücklich mit mir selber, hatte früh in meinem Leben eine Beziehung, die mich sehr beschädigt hat und war seit meiner Jugend ein Zocker. Ich habe immer gezockt, an der XBOX teilweise 8 Stunden täglich. Nun stand ich im Casino – der Besuch ein Geschenk meines Cousins – und schaute in den Automaten, wie er die Scheine nur so ausspuckte. Gut, in der Spielbank waren wir eigentlich wegen einem Pokerturnier (eines meiner liebsten Hobbys), aber wo ich nun vor dem Automaten stand, war ich wie gefangen.

Was genau in diesem Moment den „Klick“ bei mir ausgelöst hat, weiß ich nicht. Es war meine erste Berührung mit einem Spielautomaten und er war leider positiv. Hätte ich an diesem Abend verloren wäre es vielleicht nie soweit gekommen. Aber ich gewann – während ich fürs Leben verlor.

Nicht allzu lange Zeit später (waren es vielleicht wenige Tage?) zahlte ich erstmals in ein Online-Casino ein. Die Glitzerwelt im eigenen Schreibtisch zu erleben war entspannt. Man war für sich, musste sich nicht rechtfertigen, nicht zuhause zu sein und konnte in Ruhe spielen. Die Einsätze waren moderat. Winzig würde ich heute sagen. Gewinne gab es nicht, ich habe die erste Zeit nie „etwas rausgeholt“. Aber das Spielen stimulierte meine Gedanken, half mir, meinen Alltag zu vergessen. Allein dieser Aspekt ist bis heute geblieben. Wenn man spielt, vergisst man die Zeit. Die Spannung, jederzeit einen großen Gewinn landen zu können, belebt einen. Sie hat mich in ihren Bann gezogen – und nie wieder los gelassen.

So vergingen einige Monate. Ich zahlte ein, verspielte, zahlte ein und verspielte. Hatte ich mein Geld verspielt, ging es in den Dispo. Brauchte ich Geld für Tanken, pumpte ich meine Mutter an. Stets mit einer Ausrede „dass ich einfach nicht mit meinem Geld klar komme“.

In meiner ganzen „Karriere“ war ich drei mal in Spielhallen. 2x mit Freunden und nur 1x alleine. Und genau dieses Mal, an dem ich alleine war sollte mein Leben verändern.

Es muss der 12.11.2015 gewesen sein. Ein Tag nach meinem 19. Geburtstag. Ich meldete mich bei meinen Eltern ab, „dass ich noch ein bisschen mit meinem Auto rumfahre“. Das habe und mache ich oft, um den Kopf frei zu bekommen. Nur war dieses Mal anders. Ich fuhr nicht durch die Gegend, nein. Ich fuhr zur Spielhalle, welche keine 2 Minuten von unserem Zuhause entfernt war. Ich parkte mein Auto und ging herein. Man übersieht in dem Moment die verbitterten Gestalten, welche gerade ihr letztes Geld in den Spielautomaten werfen. Ich ignorierte diese Menschen, ohne zu wissen, dass ich keine 4 Jahre später genau derselbe Mensch sein werde.

Jedenfalls setzte ich mich hin und steckte mein Geburtstagsgeld in den Automaten. Ich glaube es waren 50€. Ich öffnete den Spielhallen-Klassiker „Book of Ra: Deluxe“. Spins auf (für mich zu der Zeit) sehr hohe 1.00€ und ich drehte. Dies tat ich nicht allzu lange, vielleicht 25 Minuten. Im 2. Freispiel „schmiss“ der Automat knapp über 100€. Im fast selben Moment bekomme ich eine Nachricht auf meinem Handy von meinem Vater. Ein Bild meines Autos mit der Unterschrift:

„Wenn ich jetzt keine Schuhe anhätte, würde ich reinkommen.“

Die Worte haben sich in meinen Kopf eingebrannt, als wäre es gestern gewesen. Ich beendete die Freispiele und spielte noch ca. 5 Minuten weiter, bevor ich meinen Gewinn von ca. 100€ nahm und fuhr. Ich fuhr durch die Gegend. Sprach, wie ich es oft tue, mit mir selbst. Wohin ich fuhr, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls muss es ca. eine halbe Stunde gewesen sein, bevor ich wieder nach Hause ging.

Zuhause angekommen ging ich zu meinen Eltern ins Wohnzimmer. Es war eine angespannte und für mich sehr beunruhigende Situation. Ich versuchte mich zu erklären, warum ich dort war. Ich erzählte, dass ich spielsüchtig war. Ich meinte es ernst, habe versucht, eine Lösung zu finden. Ich versprach, nicht mehr zu spielen und mir Hilfe zu suchen.

Einen Tag später ging ich shoppen und kaufte mir von meinem gewonnenen Geld einen Pulli, den ich bis heute besitze. Ich verbinde ihn jedes Mal mit genau diesem Abend.

So verging die Zeit für einige Wochen und ich kam langsam vom Spielen los.

Natürlich habe ich mir nie Hilfe gesucht. Man glaubt ja, dass man alleine klar kommt. Ein Irrglaube. Ich habe in meiner Sucht eines wirklich gelernt:

Irgendwann belügt man sich selbst so oft, dass man nicht mehr weiß, was die Wahrheit ist.

Jedoch begann ich irgendwann wieder zu spielen. Wann genau es war, weiß ich nicht. Dieser Teil ist in meinem Kopf verdrängt.

Im Jahre 2016 bahnte sich jedoch ein weiterer Lebensabschnitt an. Ich wechselte während der Ausbildung meine Arbeitsstelle. Zu der Zeit war ich sehr abhängig. Ich spielte auf der Arbeit, ich spielte sogar auf der neuen Arbeit. Fast wäre ich deswegen auch rausgeflogen. Es war Ernst.

Zu der Zeit spielte ich im Onlinecasino Casumo. Durch seine optische Aufmachung sprach es mich an. Ich verbrachte viel Zeit darin. Die Einsätze stiegen und ich gewann die ersten Beträge, die ich auch auszahlte. Das Auszahlen hätte ich mir schenken können – verzockt habe ich es doch eh.

Auch damit vergingen einige Monate, bis sich wieder ein Gespräch mit meinen Eltern anbahnte, weil ich genau da war, wo ich schon vorher war. Dieses Gespräch war im November oder Dezember 2016.

Wir beschlossen, dass ich fortan mein Geld nicht mehr selbst verwalten sollte. Meine Eltern erhielten einen Kontozugriff und ich gab meine Bankkarten ab. Von nun an waren meine Eltern mein Geldautomat. Wollte ich etwas kaufen, musste ich mir Geld von ihnen holen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich Schulden i.H.v. ca.500€. Diese zahlte ich ab und mein Konto war das letzte mal wirklich im positiven Bereich.

So ging es einige Wochen weiter. Es kam der Jahreswechsel 2017 und ich hatte das gefühl, es trat eine Besserung ein. Doch dann fuhren meine Eltern in den Urlaub und hinterließen mir Geld, welches ich jedoch mit Bedacht und mit Verwendungsnachweis verwenden sollte.

Mit einem ausgedachten Verwendungszweck nahm ich 25€ und kaufte an der Tankstelle eine Paysafe-Karte. Ein Online-Zahlungsmittel, mit dem ich bei Casumo einzahlen konnte.

Es war der 18.02.2017.

Ich spielte den ganzen Abend – ein Freitag – bis tief in die Nacht. Ich gewann an diesem und dem nächsten Abend ca. 3600€. Natürlich wollte ich dieses Geld sofort auf mein Bankkonto auszahlen lassen. In meinem Kopf schwirrten die Gedanken, dass ich ja nun alle Schulden auf einen Schlag ausgleichen und entsprechende Kosten decken könne. Ich zahlte also die 3600€ aus und ging schlafen. Bis dato hatte ich wusste ich nicht, dass es im Online-Casino Limits gibt, ab denen eine Verifizierung für die Auszahlung notwendig wird. Dafür sind ein Personalausweis und eine Versorgerrechnung notwendig – aber leider auch das Foto der Kreditkarte, mit der ich vorher mal eine Einzahlung gemacht hatte.

Das Problem war: Die Kreditkarte hatte ich nicht und eigentlich durfte ich nicht spielen. Hätte ich jetzt nach der Kreditkarte gefragt, um „Gewinne aus einem Casino“ auszuzahlen, hätte ich mir selbst ausrechnen können, wie das geendet hätte.

Ich zog also die Auszahlung zurück. Am Sonntagabend spielte ich dann jedoch weiter. Auf Beträgen, die teilweise die 10€-Marke/Spin überstiegen. Und der Monster-Betrag den ich gewonnen habe, schrumpfte und schrumpfte, bis er schlussendlich komplett fort war.

Ich hatte also 3600€ verloren. Ich fühlte mich taub, traurig und war wütend auf mich selbst.

Natürlich erzählte ich nichts davon und verschwieg es. Auch versuchte ich es zu verdrängen. Was aber nicht wirklich klappte und ich spielte immer weiter.

Dazu aber bald mehr.

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CS:GO Casinos und ihre Folgen

Wie schon im ersten Beitrag erwähnt, fing bei mir alles damit an, dass ich in unregulierten, unseriösen Online-Casinos, die mit Skins als Währung fungierten. Dabei haben sich diese Seiten natürlich mit der Zeit verändert und ihr Angebot vervielfältigt.

Jackpot-Spiele

Die ersten CS:GO-Casinos haben ein stupides und zugleich simples System verwendet, um die Leute zum Spielen zu überreden – die sogenannten Jackpot-Seiten.

Kurz erklärt geht es beim Jackpot darum, dass es eine bestimmt Anzahl Spieler gibt, die alle einen bestimmten Wert in Skins in den Pot werfen. Wird eine Spieleranzahl erreicht, entscheidet das (hoffentlich) Los, wer gewinnt. Hierbei gilt die Formel:
Summe des Pots : Summe des eigenen Einsatz = Gewinnchance.
Setze ich also 10€ in einen 100€ Pot, habe ich eine Chance von 10%.

Jetzt, wo ich diese Sätze schreibe merke ich, wie dumm und vereinnahmend dieses System war. Ich selbst war nie der Spieler, der hohe Wetten platziert hat, sondern eher versucht hat, mit wenig Einsatz große Pötte zu gewinnen. Der Größte Gewinn waren einmal 1300$ bei einem Einsatz von gerade einmal 3$. Es fühlt sich surreal an, eine solche Summe zu gewinnen. Man fühlt sich, als könnte man nun jedes Spiel schlagen und spielt immer weiter. Ein Teufelskreis, an dem ich damals schon hätte merken müssen, dass ich spielsüchtig bin. Ein Fehler, der mich den Großteil meines Geldes gekostet hat.

Casinoähnliche Spiele

Außer den Jackpot-Seiten entstanden mit der Zeit auch Seiten, welche ein eher klassisches Casino-Modell als Vorlage nahmen. Dort wurden Spiele wie ein vereinfachtes Roulette (nur 14 Felder + Grün) oder simple Slotmaschinen verwendet, um Kindern und Erwachsenen, das Geld, oder besser gesagt die Skins aus der Tasche zu ziehen.

Auf diesen Seiten habe ich sicher den Großteil meines Geldes verloren, welches ich beim Skin-Glücksspiel eingesetzt habe. Diese Seiten sind m.M.n. dafür verantwortlich, wo ich heute stehe und für die Sucht nach Casinos.

Ein weiteres Problem dieser Seiten war auch, dass es nie eine Garantie gab, dass das Spiel fair ablief. Es gab Seiten, auf der wissentlich selbst die Inhaber gespielt haben, auf der sog. Bots vielen Menschen das Geld entzogen. Ich weiß bis heute nicht, wieviel Geld ich an diese Betrüger verloren habe – einige Euros werden es sicher sein.

Die Folgen

Nach der Zeit in CS:GO-Casinos kam die Zeit in „echten“ Casinos. Wann ich das erste Mal mein hart verdientes Geld in ein Online-Casino gesteckt habe, weiß ich nicht mehr. Weit nach meinem 18. Geburtstag wird es nicht gewesen sein. Anfangs noch kleinere Summen vielleicht einmal in der Woche, zahlte ich schnell täglich Summen ein, die ich mir schon damals nicht leisten konnte. Ich geriet immer mehr aus den Fugen, konnte mir selbst aber nicht eingestehen, dass ich verlor. Wollte mir nicht eingestehen, glücksspielabhängig zu sein. Zwar habe ich schon damals öfter mal die Option gewählt, mich für eine bestimmte Zeit für bestimmte Seiten sperren zu lassen, jedoch war die Menge der Casinos so groß, dass ich quasi für jedes geschlossene Casino drei neue aufmachen konnte.

Heutzutage bin ich in ca. 95% aller Online-Casinos gesperrt. Aber auch das hielt mich nicht davon ab, bis heute sicher eine Summe von 60.000€ im Glücksspiel zu verlieren.

Zum Thema Casino geht es aber in diesem Beitrag weiter.

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Lootboxen. Oder auch: Wie alles anfing.

Es muss Ende 2013 gewesen sein, als bei mir das Thema Glücksspiel anfing. Man bemerke – ich war keine 18 Jahre alt. Ich war nicht volljährig und habe mich trotzdem in ein System verloren, welches eine erschreckende Ähnlichkeit zu Slotmaschinen und deren Folgen hat.

Meine erste „Droge“ waren sogenanne Loot-Boxen im Videospiel Counter-Strike.

Was sind Loot-Boxen?

Falls jemand nicht weiß, was Loot-Boxen sind, denen möchte ich es kurz erklären.

Eine Loot-Box ist ein Objekt in Videospielen, welches von den Entwicklern stammt und dafür sorgt, dass ein schon existierendes Videospiel aufgewertet und mit neuen, meist exklusiven Inhalten gefüllt wird.

Hierbei lassen sich diese Boxen in zwei Kategorien aufteilen:
1. Loot-Boxen, die direkten Einfluss auf das Spiel nehmen und dem Käufer einen spielerischen Vorteil gegenüber anderen verschaffen, und
2. Loot-Boxen, die rein kosmetische Gegenstände dem Spiel hinzufügen, die selbst keinerlei Vorteile oder Mehrwert bieten, außer dem Auge und anderen Spielern eine gewissen Hochwertigkeit vorgaukeln.

Loot-Boxen in Counter-Strike.

Im Spiel Counter-Strike:Global Offensive finden sich Boxen der zweiten Kategorie. Diese Boxen enthalten sogenannte „Skins“, also plump gesagt, Muster für die Waffen, die man im Spiel verwendet.

Jedes Spiel hat eine eigene Vorangehensweise, wie man diese Boxen erhält und wie diese zu öffnen sind. Häufig sind die Boxen über sehr langes Spielen als „Belohnung“ zu erhalten, können aber auch über „In-Game-Käufe“ erhalten werden.

Im Fall CS:GO ist es so, dass man durch das Spielen selbst die Boxen erhält, welche man aber nur öffnen kann, wenn man einen Schlüssel kauft. Diese Schlüssel haben einen stabilen Wert, welcher zwischen 1.80 und 2.30 liegt/lag (der Preis variiert durch Währungsschwankungen weltweit)

Will man also in CS:GO einen Skin „unboxen“, muss man mindestens die Gebühr für einen Schlüssel entrichten, solange man das „Case“ (= die Loot-Box) schon hat. Sollte man diese nicht besitzen, muss man sie im spieleigenen „Communitymarket“ erwerben. Der Preis für die Kiste liegt zwischen 0.03 und knapp 20€, je nach Seltenheit und Alter der Kiste.

Entscheidet man sich dafür, eine Kiste zu öffnen, ist nicht absehbar, welchen Gegenstand man erhält. D.h. es gibt verschiedene Wertigkeiten, welche die Gegenstände haben können:

  • Blaue Wertigkeit (ca. 79.92%)
  • Lilane Wertigkeit (ca. 15.98%)
  • Pinke Wertigkeit (ca. 3.2%)
  • Rote Wertigkeit (ca. 0.64%)
  • Goldene Wertigkeit (ca. 0.26%)

Wie man sieht, sind dies schon deutliche Unterschiede, was die Wertigkeit angeht. An sich hätte jeder Skin denselben monitären Wert – gäbe es nicht den Communitymarket. Auf selbigen kann jeder seine Skins zu einem Preis verkaufen, welchen die Community durch Angebot und Nachfrage selbst regelt. Natürlich sind dann dort Gegenstände mehr Wert, welche seltener sind (es gibt auch „minderwertigere“ Gegenstände, die teurer sind – das ist nur ein Durchschnitt).

Das Problem liegt nun in den Werten, welche den Gegenständen zugewiesen werden. Der niedrigste Preis liegt bei etwa 0.07€ bis hin zu 3.000-5.000€, die für die „normalen“ virtuellen Gegenstände erzielt werden kann. Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen, nämlich besondere Exemplaren, welche gerne mal einen Wert von über 30.000€ annehmen können. Zahlen, die natürlich auf den ersten Blick sehr verlockend und ansprechend sind.

Hä? Was ist daran gefährlich? Kann nicht jeder mit seinem Geld machen, was er will?

Ja, kann er. Jedoch hat das System ein Riesen-Problem:

Laut Steam TOS ist eine Anmeldung ab 13 Jahren erlaubt. Eine Einschränkung für den Erwerb dieser Gegenstände und Schlüssel gibt es nicht.

Nun kommt vielleicht die Frage auf: Ja und was macht man dann damit?

Die Skins kann man natürlich selbst spielen oder verkaufen, man kann aber auch damit handeln. Dieser Punkt ist besonders wichtig, da durch den monitären Wert, den die Skins durch den Communitymarket erhalten, quasi eine Sekundärwährung entsteht, welche beim Handeln die Grundlage bildet.

Das Handeln an sich ist nicht verwerflich. Es ist im Prinzip kein Unterschied zu den Sammelkarten, mit denen Kinder schon in der Schule tauschen.

Nur der monitäre Wert birgt folgendes Risiko, welches sich findige Geschäftsleute zu nutzen gemacht haben:

Unregulierte Online-Casinos mit CS:GO Skins als Währung.

Und genau dort fing meine Sucht an. Auf dubiosen Internetseiten, die natürlich genau so unkontrolliert waren wie die Gegenstände.

Ich habe dort viel Geld verloren. Beziffern kann ich es nicht mehr.

Der Verlust liegt aber sicher in einem hohen vierstelligen Bereich. Ob es 5.000 oder 9.000 oder 15.000€ sind spielt aber eigentlich keine Rolle. Jeder € ist ein € zu viel.

Seit 2018 ca. sind diese Casinos auch nur noch selten vorhanden, weil sich die Bedingungen für das Handeln verschwierigt haben und jeder gehandelte Skin nach einem Handel eine 7-Tages-Sperre für das Handeln hat. Verschwunden sind sie jedoch nicht und noch immer eine Gefahr!

Das Problem ist: an dem Punkt war ich persönlich schon umgeschwenkt – auf Alternativen mit Echtgeldeinsatz an klassischen Slot-Maschinen. Dazu aber in einem anderen Beitrag.

Die Gefahr von Loot-Boxen

Ich möchte natürlich nicht nur meine Geschichte erzählen, ich bin einer von vielen. Ich möchte auch darauf aufmerksam machen, welche Macht dieses System in den nächsten Jahren bekommen wird und wie groß die Gefahr, die gerade für junge Menschen ausgeht, ist.

Nahezu jedes neue Computer oder auch Smartphone-Spiel erscheint heutzutage mit Loot-Boxen. Häufig sind sogar die Spiele an sich kostenlos, und nur die Boxen liefern dem Entwickler die Einkünfte, welche aber gigantisch sein dürften. Die Hürde, mal ein paar Euro auszugeben ist nunmal doch nicht so hoch, wie einen Vollpreistitel mit 60€ zu bezahlen.

Solltet ihr selbst Spieler sein:

Bitte verliert euch nicht in der Welt der Loot-Boxen. Es ist ein System, welches euch genau wie die Automatensucht in einen Bann zieht. Versucht bitte nicht, damit Geld zu verdienen. Ich habe es ausprobiert – es klappt nicht.

Solltet ihr selbst ein Elternteil o.ä. sein:

Bitte informiert euch, was das Computerspiel, welches euer Kind oder Partner spielt, für Loot-Boxen hat. Sind diese erforderlich? Sind diese kostenpflichtig? Sind diese notwendig? Und bitte, passt auf, dass eine solche Loot-Box keinen Einfluss auf euern Schützling nimmt. Beobachtet euer Kind. Erklärt ihm die Risiken oder was passieren kann. Erläutert den Unnütz, der durch diese Boxen ausgeht. Aber tut mir einen Gefallen. Passt auf.

Und nebenbei: Auch ein Fußballspiel wie FIFA hat ein Loot-System, welches direkten Einfluss auf das Spiel nimmt (quasi Pay-to-Win). Dieses ist super gefährlich und sollte nicht als harmlos abgetan werden!

Das System der Loot-Boxen braucht m.M.n. auch Einschränkungen auf politischer Ebene, sonst haben wir in einigen Jahren ein Problem mit jungen Menschen, die ein problematisches Spielverhalten zeigen – genau wie ich es tue. Entstanden durch ein System, welches Augenscheinlich fern ab von Glücksspiel steht.

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Wo ich stehe.

Ich stehe selbst am Rand meiner Kräfte. Die letzen Monate haben mir gezeigt, dass ich selbst nicht mit dem Thema fertig werden werde. Die Zeit um Corona und seine Ausgangsbeschränkungen haben mich dazu gebracht, sehr viel Zeit und sehr viel Geld zu verspielen. Ja, auch vorher war ich nie frei vom Spielen, habe trotz der Suchtberatung oft gespielt, es keinem erzählt, nicht einmal meinem Suchtberater.

Ich kenne es. Diese Angst, Angehörige erneut zu enttäuschen, sich selbst dafür zu schämen, was man getan hat. Die Vorwürfe, die man ertragen muss, wenn man auf Menschen trifft, die nicht verstehen, dass die Spielsucht genau wie jede andere Sucht eine Krankheit ist. Die nicht verstehen können, dass man Selbst in der Phase der Sucht nicht davon loskommt. Die nicht verstehen, dass man trotz einem vermeintlichen Gewinn nicht davon loskommt und immer weiter spielt – bis auch der letzte Euro in den virtuellen Automaten verschwunden ist und nie wieder zum Vorschein kommt.

Meine Situation ist äußerst brenzlich. Mein Konto ist massiv überzogen, Kredite aufgenommen, die Kreditkarte am Limit. Gleichzeitig der Druck mit Zahlungsaufforderungen, weil man im Rausch auch die letzte Lastschrift vom Konto zurückgezogen hat um noch den letzten Spin zu drehen, den letzten Euro aufzuladen. Ich bin krank und am Punkt, dass ich selbst nicht mehr weiß, was noch zu tun ist.

– 35.000€

Eine Zahl, die für mich so schmerzhaft wie auswegslos erscheint. Klar – ich habe einen festen Job und ein stabiles Einkommen, welches aber nicht ansatzweise ausreicht, um die enormen monatlichen Belastungen zu ertragen, die durch Kredite und andere finanzielle Probleme entstanden sind.

Ich habe Angst, mir von z.B. meinen Eltern helfen zu lassen, weil ich die Enttäuschung selbst nicht ertrage. War ich doch derjenige, der noch im Januar meinte, alles selbst auf die Reihe bekommen zu können, als ich den Kontozugriff, den mein Vater schon die letzten Jahre hatte, kündigte. Diese vermeindliche Macht, die man über sich hat – eine glatte Lüge.

Man selbst hat keine Kontrolle über sein Handeln.

Die Illusion, man könnte einfach so Mir-nichts-dir-nichts aufhören ist eine Lüge. Man braucht die Hilfe. Man braucht die Unterstützung.

Es war der größte Fehler, den ich je gemacht habe, den Ast, der mich versucht hat zu halten, abzusägen. Nur weil ich glaubte, ich könnte fliegen.

Nun stehe ich hier. An einer Stelle, wo ich nicht ohne Hilfe mehr wegkomme. Und voller Scham – weil meine Eltern natürlich recht hatten, als sie mir sagten, ich würde das nicht alleine schaffen.

Ich habe Angst, sie irgendwann zu verlieren. Mich selbst irgendwann zu verlieren. Wenn man selbst bis zum Hals im Mist steckt, kommen einem selbst sehr böse Gedanken, weil alles so auswegslos erscheint. Es tut mir wirklich Leid. Wieso war ich so, warum bleibe ich so. Ich weiß es nicht, aber es belastet mich.

Es muss aufhören. Jetzt. Nicht morgen, nicht übermorgen. Jetzt.

Und ja, ich weiß. Wie oft sagt man das als Süchtiger. Versucht, sich damit zu schützen und sich seiner Verantwortung zu entziehen. Aber jetzt bin ich am Punkt, dass es kein „später“ mehr gibt, wenn es weiter geht.

Ich werde euch weiterhin auf dem Laufenden halten, was meinen Fortschritt betrifft. Ich hoffe, ihr schaut euch auch noch andere Beiträge an, auf die dieser Beitrag aufbaut.

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Was soll verzockt.net sein?

Hi. Ich freue mich, dass du hier bist. Dann sollte mein Plan eigentlich aufgehen und du bist auch ein Mensch, der entweder selbst, oder durch andere in eine (problematische) Situation mit dem Thema Spielsucht geraten bist.

Mein Name ist Felix, ich bin erst 23 Jahre alt. Dieser Blog soll meine Geschichte und meine Probleme mit meiner Spielsucht aufzeigen. Er soll zeigen, durch welche scheinbar harmlosen Dinge eine Spielsucht entstehen kann und was diese bewirken kann.

Mir selbst soll er helfen, einen Ort zu haben, wo ich meine Geschichten erzählen kann und damit Menschen oder Angehörige erreiche, welche ähnliche Probleme haben, wie ich es tue.

Ich wünsche euch viel Kraft. Gerne könnt ihr mir eure Geschichten schreiben, wenn ihr selbst einen Ort sucht, mit eurer Situation umzugehen.